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........ "Auf Stand zwei schießt für die HSG München Sonja Pfeilschifter," verkündete Manfred Dütsch. Wieder klatschte das Publikum erfreut. Herbert schaute neugierig zum hell beleuchteten Eingang - es stockte ihm der Atem. Sein Puls raste, als wäre ein Maschinengewehr in seinem Körper. Dort herausgekommen war das Mädchen mit den hellbraunen Locken und den funkelnden Augen, das ihm vorhin am Tisch so aufgefallen war, und von dem er insgeheim gehofft hatte, daß er es vielleicht irgendwann einmal wiedersehen würde.
.......Herbert starrte nur wie hypnotisiert auf Stand zwei. Dort legte Sonja Pfeilschifter einen mitgebrachten Luftgewehrstreifen wie eine Meßlatte auf den Boden und stellte sich dann sehr breitbeinig auf, nachdem sie ihre Hose und Jacke vollständig zugeknöpft hatte. Dann zog sie ihren Handschuh an und ging mit dem Gewehr in den Anschlag. Sie ist Linksschützin und hat damit ihrer Gegnerin nicht wie die anderen den Rücken sondern das Gesicht zugewandt. Aber die beiden Mädchen schienen sich gegenseitig gar nicht zu sehen. Jede war nur mit sich selbst beschäftigt, bemüht, die genau richtige Position zu finden.
Sonja, ging es Herbert durch den Kopf. Sonja, was für ein wunderschöner Name. Inzwischen begann das Probeschießen.
Sonja nahm ihr Gewehr hoch, achtete darauf, daß sie es sauber einsetzte und ging in den Anschlag. Ihr Blick war gesenkt, sie atmete ganz gleichmäßig. Jetzt schaute sie durch den Diopter und stoppte die Atmung. Aber sie zog noch nicht ab sondern senkte erneut den Blick und atmete. Sie wiederholte den Zielvorgang - doch nochmals senkte sie den Blick. Dann beim dritten Mal zog sie tatsächlich ab - 10,9.
Herbert war fasziniert. Er dachte daran, daß er selbst kaum je so oft absetzte, daß er eigentlich nach dem ersten Zielen immer gleich schoß. Manchmal verriß er etwas beim Abziehen, oder es stand das Gewehr eben doch nicht so gänzlich still. Und meistens war er froh, wenn es gerade noch ein Neuner wurde. Hm, ob er vielleicht mehr Geduld haben sollte? Aber manchmal wackelte das Gewehr so schrecklich, gleichgültig wie lange er zielte. Ob er vielleicht seinen Anschlag verändern, sich ebenso breitbeinig mit stark eingeknickter Hüfte hinstellen sollte? Er müßte Sonja eben ganz genau beobachten. Ach, wenn er doch einmal mit ihr zusammen trainieren könnte. Vielleicht würde sie ihm sogar einige Tips geben. Und hinterher würde er sie zum Essen einladen. Ob Sonja wohl Pizza mag, die beim Italiener in der Altstadt? Sie könnten natürlich auch woanders hingehen. Vielleicht in einen Weinkeller, in ein nettes Lokal mit romantischen Schmuseecken. Und nach dem Essen, er würde ganz dicht neben ihr sitzen und dann .....
"Ende der Probezeit," sagte Manfred Dütsch an. Die Schützen legten die Gewehre ab. .........