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Demokratie

Demokratie - es gibt sie in der großen Politik sowohl als auch in der kleinsten Gruppe. Aber was genau ist eigentlich Demokratie? Oder besser gefragt: Ist das, was wir landläufig Demokratie nennen, bzw. was und als Demokratie serviert wird, wirklich eine solche gemäß der ursprünglichen Idee dieser Staatsform?

Das Wort "Demokratie" ist eine Zusammensetzung der beiden griechischen Wörter "Demos" = das Volk und "krato" = herrschen. Der griechische Philosoph Plato sagte: "Demokratie ist die schlechteste Staatsform, aber ich kenne keine bessere."

Wann immer zwei oder mehr Menschen etwas gemeinsam tun wollen, stellt sich ihnen die Frage: Wer trifft die Entscheidung? Wer trägt die Verantwortung für das Entschiedene?

Diese Frage stellt sich in einer Ehe, in einem Betrieb, in einem Verein oder einem sonstigen Zusammenschluß Gleichgesinnter und nicht zuletzt bei der Regierung eines Landes.

Wenn ein Einzelner etwas tut, ist es selbstverständlich, daß er auch dafür verantwortlich zeichnet. Ist das Arbeitspensum für diesen Einzelnen zu groß, kann er gegen Entgelt Menschen anstellen, die ihm helfen, es zu bewältigen. Nach wie vor hat er jedoch sowohl Verantwortung als auch Risiko bzw. Gewinn. Wirtschaftet er gut, mag sein Gewinn hoch sein, wirtschaftet er schlecht, mag er Verlust haben. Seine Angestellten jedoch bezahlt er ungeachtet dessen immer gleich. Er kann seine Angestellten gut oder schlecht behandeln. Auch das ist seine Sache.

In früheren Zeiten gab es in den meisten Ländern die Monarchie. Sehr viele Menschen wollten einen König haben, der alle Entscheidungen trifft. Dadurch hatten sie weder die Bürde der Verantwortung noch das Risiko, möglicherweise etwas falsch gemach zu haben. Handelt der König umsichtig und verantwortungsbewußt, ist für den einzelnen Bürger die Monarchie eigentlich ideal, denn er braucht sich keinerlei Sorgen zu machen. Es geht ihm gut. Er kann sich wie ein Kind fühlen, daß wohlbehütet unter dem Schutz der elterlichen bzw. eben königlichen Fürsorge aufwächst.

In unserer heutigen Zeit allerdings wollen wir offiziell nicht mehr wie unmündige Kinder behandelt werden, denen Entscheidungen abgenommen und die vor vollendete Tatsachen gestellt werden. "Selbstverwirklichung", "Mitbestimmung", "der mündige Bürger", das sind Schlagworte, die heutzutage groß geschrieben werden.

Also brauchen und haben wir die Demokratie. Sie ist auch wirklich gut. Die Menschen wählen aus ihrer Mitte die Tüchtigsten für jeden der notwendigen Bereiche des Lebens, und diese Tüchtigsten wiederum wählen aus ihrem Kreis eine Person als ihren Sprecher, der die Gruppe oder das Volk nach außen repräsentiert. - Wenn es tatsächlich so wäre, wäre die Demokratie wirklich ideal.

Aber wie sieht die Realität aus?

Schauen wir zuerst zur "großen" Politik: Vor jeder Wahl gibt es den Wahlkampf. Wer das meiste Geld hat, kann am meisten Reklame für sich machen. In dieser Phase wird dem Volk möglichst das versprochen, was es gerne hören möchte, oder von dem die Kandidaten bzw. ihre Hintermänner annehmen, daß dies dem Volk gefallen würde. Die Medien schreiben ganz objektiv, was sie von den unterschiedlichen Kandidaten halten - ach ja, da sind natürlich die Werbegelder. Jede Zeitung und jeder Sender lebt von der Werbung. Die Industrie, die diese Werbung bezahlt, macht die Medien damit unter Umständen abhängig. Wenn z. B. die Firma Huber täglich eine Großanzeige in die Zeitung setzt, kann diese Zeitung unmöglich schreiben, daß etwa der Chef der Fa. Huber ein krummes Ding gedreht hat, selbst wenn dem so wäre. Die tägliche Großanzeige wäre weg und damit eine wichtige Einnahmequelle. Und wenn Herr Huber dem politischen Kandidaten soundso auf einer Party ach so zufällig die Hand schüttelt, so sollte dieses Bild schon ganz objektiv im redaktionellen Teil der Zeitung erscheinen. Schließlich ist Herr Huber ja ein wichtiger Kunde, den man nicht verlieren möchte. Aber die Medien berichten ganz objektiv.

So kann sich der kleine Wähler ein klares Bild machen, welches der tüchtigste Kandidat ist. Kann er das? Wird ihm nicht eher etwas vorgegaukelt, damit er möglichst den Kandidaten wählt, dessen Partei die für den Geldgebern lukrativsten Gesetze etc. durchbringt? Was nach den Wahlen passiert, steht sowieso auf einem ganz anderen Blatt. Das ist die eine Seite der Demokarten.

Aber gehen wir einmal weg von der großen Politik und hin zu den kleinen Zusammenschlüssen von Menschen z. B. zu den Vereinen.

In einem kleinen Verein kann man miteinander ausdiskutieren, wer wohl am geeignetsten als Vorstand sein möge. Die Frage stellt sich meistens: Wer ist bereit, ehrenamtlich all die Arbeit auf sich zu nehmen? Hat sich einer gefunden, so hat diese Person auch gewisse Entscheidungsfreiheiten. Dies muß so sein. Würde man bei jeder anstehenden Entscheidung erst die Gruppe einberufen, könnte es in wichtigen Dingen sehr oft Verzögerungen geben. Schließlich kennt man ja auch den gewählten Vorsitzenden und vertraut ihm voll.

In einem kleinen Verein ist das alles relativ überschaubar. In einem großen Verein, der möglicherweise zusätzlich noch das Gremium des Gesellschaftsausschusses hat, ist dies schon bedeutende schwieriger. Aber es funktioniert, so lange die einzelnen, gewählten Personen rechtschaffene, verantwortungsbewußte Mitglieder sind, denen in erster Linie das Wohl des Vereins am Herzen liegt und nicht der persönliche Profit.

Ein Verein, eine Gesellschaft oder ein Land, das von einem verantwortungsbewußten Leiter geführt wird, blüht und gedeiht, und die Menschen darin fühlen sich wohl. Hier zeigt sich das Prinzip, wenn man Liebe schenkt, kommt sie tausendfach zurück.

Sobald sich jedoch der Egoismus einschaltet, wird das ganze sehr gefährlich. In der Geschichte haben wir eine ganze Reihe von Beispielen dafür, wie Einzelpersonen mit der ihnen anvertrauten Führungsposition Mißbrauch trieben und sie zu ihrem eigenen Profit schamlos ausnützten. Der Absturz in die Diktatur ist dann vorprogrammiert.

Hier ein allgemeines Beispiel: In der Gesellschaft X läßt der 1. Vorsitzende nach und nach solche Personen in den Gesellschaftsausschuß wählen, die von ihm persönlich oder von der Gesellschaft irgendwie abhängig sind. Diese Abhängigkeit ist meistens finanzieller Art, etwa ein Trainer, ein Sekretär, der Ehemann der Haushälterin des 1. Vorsitzenden, ein Architekt, der Bauarbeiten am Vereinsheim durchführt, ein oder mehrere Mitglieder, die sich persönlichen Profit erhoffen, wenn sie dem 1. Vorsitzenden nach dem Mund reden. Zunächst merken die allgemeinen Mitglieder davon nichts, denn alles geht ja seinen gewohnten Gang. Aber mit der Zeit wird der 1. Vorsitzende immer exaltierter und hat immer weniger Scheu davor, seine persönlichen Machenschaften zu kaschieren. Wenn ein Mitglied, nicht vor dem 1. Vorsitzenden demütig auf die Knie fällt, wird es eiskalt abserviert und ausgeschaltet. Es könnte ja gefährlich werden, denn es könnte die anderen Mitglieder darauf aufmerksam machen, daß sich die Gesellschaft X mit Riesenschritten von der Demokratie weg und hin zur Diktatur bewegt.

"Wer in der Demokratie schläft, wacht in der Diktatur auf." Diesen Satz sollten alle Menschen stets in ihrem Bewußtsein haben. Eine wirkliche Demokratie funktioniert nämlich nur, wenn man den gewählten Führungskräften vertrauen kann. Handeln diese Führungskräfte nicht mehr zum Wohle der Gruppe (des Staates, des Vereins usw.) sondern aus eigener Profitgier, ist es an der Zeit, sie abzusetzen. Es ist traurig, aber es ist eine Tatsache, daß das Böse fast immer irgendwo in unserer Nähe ist. Bekommt es die Oberhand, geht es in der Gemeinschaft bergab. Sich vom Bösen zu distanzieren und Gutes zu wollen, sollte unser aller Bestreben sein.

Also laßt uns wachsam sein und darauf achten, daß unsere diversen demokratischen Ordnungen auch solche bleiben. Eine Demokratie ist nur dann gut, wenn die Menschen darin nach dem Guten streben.

 


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