Den nachfolgenden Text hat unser Pfarrer im Informationsblatt einer amerikanischen Gemeinde gefunden und bat mich, ihn zu übersetzen. Ich finde ihn so gut, daß ich ihn meinen Besuchern nicht vorenthalten möchte. Deshalb steht er hier für Sie zum Lesen und Beherzigen (auch wenn ich der Meinung bin, daß das 21. Jahrhundert erst am 1. 1. 2001 beginnt, kann man mit dem Verwirklichen dieser Grundsätze bereits jetzt anfangen):
Von Michael Obsatz aus "The Lutherans"
Amerika sieht mit der Konfrontation mit dem Jahr 2000 schrecklich ernsten Problemen entgegen - nicht nur in Bezug auf Computer - . Viele Bürger leben in extremer Armut. Aber seit 1950 haben die Amerikaner ebensoviel konsumiert wie die gesamte zivilisierte Welt bis zu diesem Datum. Viele Kinder können nicht lesen und versagen bei den üblichen Prüfungen. Einige Jugendliche töten ihre Eltern und andere Kinder. Die Scheidungsrate nimmt zwar ab, ist jedoch nach wie vor hoch. Der Kirchenbesuch ist sehr gering. Mehr Menschen als jemals zuvor sagen, daß sie den Politikern, der Polizei und dem Rechtssystem nicht trauen. Und wir fragen uns: Was ist falsch gelaufen?
Vielleicht liegt es daran, daß viele Menschen in unserem Land die jüdisch-christlichen, ethischen Grundsätze vergessen haben. Die 10 Gebote waren schließlich nicht "Zehn Vorschläge". Die Anweisung von Jesus, Gott von ganzem Herzen zu lieben und unseren Nächsten wie uns selbst zu lieben, war genau das - eine Anweisung, ein "neues Gebot". Hier sind 10 Grundsätze, die auf diesem ethischen Fundament aufbauen. Wenn die Menschen sich dieser erinnern und danach leben, wird dies ein Anfang sein, die Probleme des Landes zu lösen.
Anmerkung: Obwohl dies im Hinblick auf Amerika geschrieben worden ist, erscheinen diese Grundsätze auf jedes Land der sog. Westlichen Welt übertragbar.
- Das ganze Leben ist geheiligt - das von jedem, ob reich oder arm, alt oder jung, gesund oder behindert.
Wir müssen das Leben jedes Menschen achten und einander mit Güte und Würde behandeln. Wenn wir Menschen abstempeln und versuchen, sie ihrer Rechte zu berauben, werden sie ärgerlich. Gewalt endet nicht, bis alle Menschen sich fair behandelt fühlen.
- Liebe ist wichtiger als Geld.
Wenn wir davon besessen sind, Nichtigkeiten, Spielzeug und Reichtum anzuhäufen, lieben wir Dinge. Es sind jedoch die Menschen, die unsere Zeit, unsere Energie, unsere Aufmerksamkeit und unsere Liebe brauchen. Gott liebt uns und nimmt uns an, so wie wir sind. Gott möchte, daß wir umsichtig und voller Mitgefühl für andere leben.
- Die Technologie kann nicht die Sorge eines Menschen um sein Gegenüber ersetzen.
Wir brauchen den zwischenmenschlichen Kontakt, der nicht durch Maschinen wie Computer, Bank Automaten und Fernseher ersetzt werden kann. Wenn die Menschen den Sinn für den zwischenmenschlichen Kontakt verlieren, vereinsamen sie und entfremden sich einander.
- Die Ehe verlangt Hingabe.
Die Menschen sind nicht vollkommen. Mit jemandem ein ganzen Leben zu verbringen, verlangt Vergebung und Gnade, die Bereitschaft, Energien dafür einzusetzen und Opfer zu bringen, und den Partner mit all seinen Schwächen anzunehmen.
- Kinder lernen, so zu sein, wie die Menschen um sie herum.
Wenn wir wollen, daß unsere Kinder zu verantwortungsbewußten Erwachsenen heranreifen, müssen wir die notwendige Zeit aufbringen, und ihnen gute Vorbilder und Lehrer sein. Kinder, die von Gewalt überschwemmt werden, gleichgültig ob in der Realität oder durch die "Vergnügungsbranche", neigen dazu selbst gewalttätig zu handeln.
- Versuche, Schmerz und Leid zu verleugnen, funktionieren nicht.
Menschen, die körperliche, sexuelle oder seelische Schädigungen erleiden, werden ihre Verletzungen weitergeben, es sei denn sie machen einen Heilungsprozeß durch. Ihre Verletzungen werden Wege finden, aufzubrechen. Viele Menschen machen auf ihre Schmerzen aufmerksam, indem sie anderen wehtun.
- Fehler sind nicht das Ende der Welt.
Wir können und müssen aus unseren Fehlern lernen - und wir müssen eine Chance erhalten, nochmal neu zu beginnen. Wir müssen auch versuchen, anderen zu vergeben, die falsch gehandelt haben. Menschen, die behaupten, sie hätten sich nie geirrt oder hätten nie gesündigt, verneinen sich selbst.
- Gewöhnliche Helden müssen beachtet werden - und es darf ihnen zugejubelt werden.
Ruhm und Reichtum sind nicht die wichtigsten Ziele. Die alltäglichen Helden sind es, durch die das Licht Gottes leuchtet, und die die Welt verbessern.
- Die Probleme eines Landes können nicht durch Gesetze gelöst werden.
Die Probleme eines Landes werden durch ein neues Erwachen auf geistlicher Ebene gelöst und durch ein Wachstum an Liebe, Güte, Mitleid und Verantwortungsbewußtsein. Wir müssen mehr sein als nur Zuschauer.
- Gott ist immer für uns da.
Gott ist in guten und in schlechten Zeiten bei uns. Er wartet nur darauf, daß wir den rechten Weg einschlagen.
Wenn wir anfangen, uns dieser Grundsätze zu erinnern und sie auch ausleben, wird unsere Welt ein friedvollerer und liebenswerterer Ort werden. Es beginnt alles bei einem einzigen Menschen, dann geht es weiter mit einer Familie, dann mit einer Gemeinde und einem Land. Wir können Habsucht in Mitleid verwandeln, Eigensucht in Großzügigkeit, Hoffnungslosigkeit in Hoffnung.
Obsatz ist ein angegliederter Professor der Soziologie am
Macalester College, St. Paul, Minn., sowie ein Familienseelsorger, Seminarleiter und
Gruppenleiter für zwischenmenschliche Unterstützung.
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